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Website: timzonline.com
Myspace Profile: http://www.myspace.com/timz

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Das Blutvergießen in Bagdad geht ungeachtet der neuen Sicherheitsoffensive irakischer und amerikanischer Truppen weiter. Noch am Samstag zeigte sich US-Außenministerin Condoleezza Rice optimistisch wegen der jüngsten Erfolge in der Hauptstadt.
Bei dem folgenschwersten Anschlag seit Beginn der Militäraktion vor einigen Tagen wurden am Sonntag nach Polizeiangaben mindestens 56 Menschen in den Tod gerissen und 127 verletzt. Attentäter hatten auf einem Markt in der überwiegend von Schiiten bewohnten Neustadt fast zeitgleich zwei Autobomben gezündet. Im schiitischen Stadtviertel Sadr City explodierte ebenfalls eine Autobombe. Dabei wurden mindestens ein Mensch getötet und etwa zehn weitere Personen verletzt. Zuvor hatte die irakische Führung ihre Sicherheitsoffensive in der Hauptstadt als Erfolg bezeichnet. Razzien und Patrouillen in überwiegend sunnitischen Vierteln hätten zu einem Rückgang von „Verbrechen und Terrorangriffen“ um 80 Prozent geführt, sagte Brigadegeneral Kassim Mussawi.

© Ali Al-Saadi/AFP
Al Sami bringt einen Mann in seinem Bezirk einen Brief. Die Häuser im Stadtteil Talbija wurden durch Raketen beschädigt.
Von Christoph Reuter
Das Land versinkt im Chaos, fast jeden Tag werden Menschen Opfer von Selbstmordattentätern. Ali Sami lässt sich davon nicht beirren. Seine Form des Widerstands ist ganz einfach: Er macht seinen Job.
Ali Sami führt Krieg. Das ist nichts Ungewöhnliches dieser Tage in Bagdad, wo Mord die häufigste Todesursache geworden ist und Todesschwadronen mit offenen Gesichtern durch die Straßen ziehen, während Soldaten und Polizisten sich nur mit Ski-Maske nach draußen trauen. Auch Ali Sami wagt Offensiven, muss sich oft zurückziehen, um am nächsten Morgen erneut vorzustoßen. Aber der Krieg, den er jeden Tag aufs Neue führt, ist ungewöhnlich. Sein Ziel: die Rettung des Alltags. Seine Waffen: ein Moped, ein gelber Helm und eine abgewetzte kleine Ledertasche, die er über der linken Schulter trägt. Ali Sami ist Briefträger.
Jeden Morgen außer Freitags
Jeden Morgen außer freitags schiebt er das Moped aus dem Haus im Stadtviertel Schaab im Norden Bagdads. Im Slalom fährt er zur Postverteilstelle, vorbei an Betonbarrikaden, Hügeln verwesenden Unrats, ausgebrannten Autos, nervös hastenden Passanten und – gelegentlich – den Leichen der vergangenen Nacht. Gegen halb neun nimmt er die mit weißer Kordel verschnürten Briefbündel in Empfang, sortiert die Sendungen noch mal, bevor er seine Tour beginnt. Als einer der letzten Briefträger von Bagdad. “Ein wichtiger Beruf”, sagt er. “Gerade in einer zivilisierten Welt!” Gerade jetzt, da um ihn herum zugrunde geht, was diese Welt ausmacht. Also macht er weiter.
Dabei müsste er das gar nicht. Er ist 60, seit 30 Jahren Briefträger, er könnte sich pensionieren lassen. Aber das wäre Verrat. Auch wenn Chairallah, seine Frau, fleht, er möge aufhören damit. “Sie werden dich töten. Sie haben schon so viele getötet. Allah karim”, Gott ist gütig, aber wie viel Gnade soll er noch gewähren?